Das Förderprogramm WIR!

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird in Zukunft deutschlandweit den Wandel in strukturschwachen Regionen durch eine spezifische und themenoffene Innovationsförderung unterstützen. Mit WIR! – Wandel durch Innovation in der Region ist zu Beginn 2018 das erste von
mehreren geplanten Förderprogrammen im Rahmen des neuen Förderkonzepts „Innovation und Strukturwandel“ gestartet.


Das Pilotprogramm fördert die Entwicklung regionaler Innovationskonzepte und unterstützt Bündnisse, die Disziplinen-, Branchen-, Institutionen- und Verwaltungsgrenzen überschreiten und auch bürgerschaftliches Engagement einbeziehen. Mit WIR! werden somit regionale Innovationspotenziale gezielt gestärkt und der Wandel in strukturschwachen Regionen über das Ende des Solidarpakts II im Jahr 2019 hinaus gefördert. Das Programm soll auch Regionen jenseits der schon bestehenden Innovationszentren und innovationsunerfahrene Akteure erreichen. Neben technologischen Innovationen ist das Programm auch offen für soziale und nichttechnische Innovationen.


Die Auswahl der geförderten Konzepte findet in einem zweistufigen Verfahren bis Ende 2018 statt.

Die Herausforderung

Die Region Osterland schließt nahezu den gesamten aktiven Braunkohlenbergbau des Mitteldeutschen Reviers ein und sieht sich nun nach den bereits zu bewältigenden tiefgreifenden Strukturbrüchen mit dem bevorstehenden endgültigen Auslauf der Braunkohlenverstromung konfrontiert. Die wirtschaftliche Entwicklung stellt die Region vor maßgebende Herausforderungen, die es langfristig zu bewältigen gilt:

Die anhaltende Bevölkerungsabwanderung geht einher mit wenig ausgeprägter regionaler Identifikation und reduzierter Aufgeschlossenheit und Akzeptanz für neue, anstehende Strukturwandelherausforderungen. Durch die Bevölkerungskonzentration in den prosperierenden Universitäts- und Hochschulstädten Leipzig, Halle und Jena spitzen sich demografische Herausforderungen des Umlandes insbesondere in der Osterland-Region als Areal eines sich überlappenden Einzugsgebiets aller drei Großstädte zu.

Zentralisierte, großbetriebliche Industriestandorte der Rohstoff- und Energiewirtschaft haben in der umrissenen Region einen Mangel und einseitige Ausrichtung mittelständischer Wirtschaftsstrukturen zur Folge. Dominierender Einfluss der Gegenwart ist eine nahezu flächendeckende, schwer zu bebauende Bergbaufolgelandschaft. Deren unstrittig hohes Naherholungspotenzial vermochte die Abwanderung ganzer Bevölkerungsschichten aus der Region nicht zu verhindern.

Im verwinkelten Dreiländereck von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen bestehen hemmende räumliche wie organisatorischen Distanzen zum Kerngebiet des jeweils eigenen Bundeslands und die durch spürbare Inhomogenität der Rahmenbedingungen trennenden Auswirkungen der querenden Landesgrenzen.

Der Lösungsansatz

Übergreifender Ansatz des Projektes ist eine demografische und erst dadurch hervorgerufene wirtschaftliche Belebung in dieser Region. Der Projektverbund strebt hierfür die Erarbeitung eines Zukunftskonzepts an, welches die übergreifende Fragestellung nach einer nachhaltigen Großstadt-Umland-Beziehung durch infra- ebenso wie gesellschaftsstrukturell gut angebundene Mittelzentren adressiert. Durch Gestaltung eines nachhaltigkeitsorientierten Lebensumfelds werden kleine, sich selbst verstetigende „Schwarmeffekte“ in den Quartieren der Mittelzentren angestrebt,
um letztlich die Suburbanisierungstendenzen der Großstädte in eine Reurbanisierung der umliegenden Mittelzentren zu lenken. Die gemeinsame Konzentration auf die etablierten Mittelzentren Altenburg, Zeitz, Weißenfels und Borna sowie ggf. Naumburg und Grimma verspricht somit, einen eigenständigen Wachstumsbeitrag innerhalb des ländlich geprägten Kerngebiets der Metropolregion Mitteldeutschland einzubringen. Basierend auf den regional identifizierten Potenzialen zur Stimulation der Wohn- und Arbeitsattraktivität und vor dem Kontext wirtschaftlicher, kultureller, sozialer und auch technischer Innovationen, stützt sich der Lösungsansatz auf die folgenden, einander ergänzenden Handlungsansätze:

1. Auf der Strukturebene von Quartieren lassen sich in den Mittelzentren gesellschaftlich wie versorgungstechnisch „Sub-“Organisationsebenen abheben, wie sie für Großstädte charakteristisch sind und durch Urbanität individuelle Lebensqualität vermitteln. Die Erschließung des Quartierpotentials bedarf wegen des hohen Pendleranteils besonderer Aufmerksamkeit durch ein hohes Maß an externer Stimulation sowie Aufgeschlossenheit im Verwaltungshandeln (Quartierimpuls).

2. Digitalisierung und Elektromobilität eröffnen gerade im ländlichen Raum über car- und ride-sharing-Dienste den Weg zu den Individualverkehr ergänzenden Mobilitätsangeboten, mit deren optimaler Einbindung in das Nahverkehrssystem die Mittelzentren spürbar näher an die Großstädte rücken können. Neu zu entwickelnde Mobilitätsangebote und Spezialisierung der Verkehrsträger sollen die Mobilitätsbedürfnisse der Einwohner in den Mittelzentren und der ländlichen Bevölkerung unterstützen (Mobilitätsimpuls).

3. Durch einschlägige Strategie- und Kommunikationsmethoden soll die regionale Ausstrahlung der Bildungs- und Kultureinrichtungen vor Ort sowie der umliegenden Wissenschaftsstandorte von der Seite der regionalen Partner aus mit abgestimmt und vorangetrieben werden, um deren Effekte bewusst in die eigene Fokusregion zu lenken (Bildungsimpuls).

Die vorgestellten Handlungsansätze und sich daraus ergebenden Impulse zielen auf eine demografische Belebung der Region ab - als zwingende Voraussetzung und als Auslöser für eine vielfältige wirtschaftliche Belebung einhergehend mit regionaler Beschäftigung. Die fachlich kompetente Planung und Erarbeitung des Innovationskonzepts ist nur durch eine enge Zusammenarbeit der ansässigen wissenschaftlichen Einrichtungen, wissensbasierter Dienstleister und der regionalen Akteure möglich und verleiht dem Projekt gleichzeitig seine Einzigartigkeit unter den eingereichten WIR-Konzepten.

Die Region Osterland

Der geografisch homogene Raum in der südlichen Leipziger Tieflandsbucht bildet eine landesübergreifende Region, die nach Osten durch den Fluss Mulde und nach Westen durch den Fluss Saale begrenzt wird.

Historisch entspricht dieses Areal dem Kern des „Osterlands“, das heute von Teilen der Landkreise Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt), Landkreis Leipzig (Sachsen) und Altenburger Land (Thüringen) überdeckt wird.

Vereinende Wirkung geht heute von der prägenden gemeinsamen wirtschaftlichen Orientierung auf Braunkohlengewinnung und –verarbeitung seit Beginn der Industrialisierung aus.